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Das Hildebrandhaus


1898 bis 1921 Adolf von Hildebrand
Der Name Hildebrandhaus geht auf den Bildhauer und Kunsttheoretiker Adolf von Hildebrand (1847
1921) zurück, der 1891 von der Stadt München den Auftrag erhielt, zur Feier der eben fertig gestellten neuen Münchner Wasserleitungen den Wittelsbacher Brunnen am heutigen Lenbachplatz zu erbauen. Monumentale öffentliche Aufträge durften in der Prinzregentenzeit nur an ortsansässige Künstler vergeben werden. So verlagerte Adolf von Hildebrand seinen Hauptwohnsitz von seiner Wahlheimat Florenz in die Haupt- und Residenzstadt München. Der Umzug lohnte sich. Große Folgeaufträge festigten seinen Ruhm als neuer Münchner Künstlerfürst. Die Stadt, höchst interessiert daran, ein Anziehungspunkt für Künstler aller Sparten zu sein, bot jede Unterstützung und stellte das Grundstück am Bogenhausener Isarhochufer zur Verfügung. Die Pläne für sein repräsentatives Wohn- und Atelierhaus entwarf Hildebrand selbst, der Architekt Gabriel von Seidl übernahm die Ausführung, und 1898 konnte das Haus von Adolf von Hildebrand, seiner Frau Irene und den sechs Kindern bezogen werden. Adolf von Hildebrand und seine Frau Irene machten das Haus zu einem wichtigen Ort des kulturellen Lebens. Zu den Gästen des weltoffenen Salon zählten unter anderem die Schriftstellerinnen Annette Kolb und Isolde Kurz, der Reformpädagoge Georg Kerschensteiner, der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin, Cosima Wagner, der Philosoph Ludwig Curtius und der Dirigent Wilhelm Furtwängler sowie Kronprinz Rupprecht aus dem Hause Wittelsbach und seine Frau Gabriele von Bayern.


Das Hildebrandhaus im Jahr 1905


1921 bis 1933 Dietrich von Hildebrand
1921 starben Adolf von Hildebrand und seine Frau Irene. Sie vermachten das Haus zu gleichen Teilen ihrem einzigen Sohn Dietrich und ihrer Tochter Irene, die mit Theodor Georgii, einem Meisterschüler ihres Vaters, verheiratet war. Dietrich von Hildebrand, Philosoph und Theologe, führte die Tradition des intellektuellen Salons weiter. Als entschiedener Gegner und langjähriger Kritiker der Nationalsozialisten musste er nach Hitlers Machtergreifung Deutschland verlassen. Die Familie sah sich aus finanziellen Gründen gezwungen, das Haus zu verkaufen. Dietrich von Hildebrand emigrierte 1933 nach Wien; 1938 ging die Flucht weiter über die Tschechoslowakei, in die Schweiz, dann über Frankreich, Dakar, Rio de Janeiro nach New York. Dort wurde er zum Professor an der Jesuiten-Hochschule Fordham ernannt. 1977 starb Dietrich von Hildebrand in La Rochelle, upstate New York.

1934 bis 1941 Elisabeth Braun
Neue Besitzerin wurde Elisabeth Braun, geboren 1887 in München. Die Tochter einer alteingesessenen wohlhabenden jüdischen Münchner Kaufmannsfamilie und ausgebildete Lehrerin konvertierte 1920 zur Evangelisch-Lutherischen Kirche. Als sie das Haus 1934 kaufte, behielt sie zunächst ihren Wohnsitz in Tegernsee, ihre Stiefmutter Rosa Braun bezog eine geräumige Sechszimmerwohnung im ersten Stock des Hauses. 1936 zog auch Elisabeth Braun dort ein, Grund waren wohl die Verfolgungs- und Diskriminierungsmaßnahmen des NS-Regiemes, die sie bewogen, in die Stadt zu ziehen. Von 1937 bis 1941 gewährte sie in ihrem Haus 15 verfolgten Mitbürgern Obdach. 1939 erhielt Elisabeth Braun erstmals von der »Arisierungsstelle« die Aufforderung, ihr Haus zu verkaufen, wogegen sie sich bis zuletzt wehrte. Elisabeth Braun wurde am 15. November 1941 zusammen mit 1000 Münchner Juden nach Kaunas (Litauen) deportiert und ermordet. Ihr Vermögen wurde 1941 durch die Gestapo eingezogen. In ihrem Testament bestimmte Elisabeth Braun die Evangelisch-Lutherische Landeskirche zur Alleinerbin.
Über die Lebensgeschichte von Elisabeth Braun war bis vor wenigen Jahren so gut wie nichts bekannt. Erste Recherchen gehen auf Pfarrer i.R. Ernst Ludwig Schmidt und Klaus Bäumler, Vorsitzender Bezirksausschus3 Maxvorstadt zurück.

Die neuesten Forschungsergebnisse zur Geschichte des Hildebrandhauses und dem Schicksal seiner Bewohner liegen als Buch in der »edition monacensia« im Allitera Verlag München vor.
 

 

 

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